Die folgenden Texte verwenden den Genderstern, um intergeschlechtliche, transgeschlechtliche und nichtbinäre Menschen zu inkludieren. Der Genderstern wird vom Screenreader unter Umständen als ‚Pause‘, ‚Stern‘, ‚Sternchen‘ oder ‚Asterisk‘ vorgelesen, manchmal auch gar nicht, was den Effekt erzeugt, dass nur die weibliche Form ausgesprochen wird.

Vereinbarkeit vielfältiger Lebensbereiche

Alle Universitätsangehörigen müssen täglich vielfältige Lebensbereiche unter einen Hut bringen, also vereinbaren. Dieser Balanceakt ist nicht immer leicht. Es gibt Lebensabschnitte, die herausfordernder sind als andere. Es gibt Lebenswege, die weniger Hürden und mehr gesellschaftliche Privilegien bereithalten als andere. Als eine der größten Arbeitgeber*innen Wiens nimmt die Universität Wien ihre soziale Verantwortung wahr, die Lebensbereiche Sorgearbeit und Selbstsorge ihrer Mitarbeiter*innen mitzudenken und Überschneidungen zu erleichtern.

Veranstaltung

Tage der Vereinbarkeit 2022

Familienfreundliche Karriere in der Wissenschaft – geht das? Welche Rahmenbedingungen braucht es bei flexiblem und digitalem Arbeiten, um gesund zu bleiben? Wie können Führungskräfte Teams unterstützen, wenn darin jemand durch Sorgepflichten belastet ist? Zu diesen Themen gab es bei den Tagen der Vereinbarkeit ein umfangreiches Programm mit spannenden Vorträgen und Diskussionen von Mitarbeiter*innen und Expert*innen.

Die Veranstaltungen wurden zum Teil aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen können Sie hier nachsehen und -hören.

Der Weg zu einer vereinbarkeitsbewussten Universität ist nicht von heute auf morgen zu schaffen, dafür braucht es einen Kulturwandel in unseren Köpfen und in unserem Tun. Vereinbarkeit als Ressource für Motivation und Arbeitszufriedenheit zu unterstützen ist eine wichtige Führungsaufgabe. Führungskräfte prägen die organisationskulturellen Bedingungen, unter denen Vereinbarkeit gelingen kann. Im Idealfall sind sie selbst Vorbilder für eine gelebte Vereinbarkeit und tragen den Kulturwandel mit.

Definition

Was ist Sorgearbeit?

Sorgearbeit im Privatleben ist ein großer (unbezahlter) Bereich im Leben aller Menschen. Wir unterscheiden zwischen direkter Sorgearbeit, die sich auf andere Personen im familiären oder nahen Umfeld bezieht, insbesondere die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, und unterstützende Sorgearbeit, welche Tätigkeiten zur Haushaltsführung (Versorgung mit Lebensmitteln, Kochen, Reinigen, Aufräumen etc.) oder ehrenamtliches Engagement meint.

Was ist Selbstsorge?

Zur Selbstsorge tragen einerseits Lebensbereiche und Freiräume im Privaten bei (z.B. Freizeitaktivitäten, Sport, soziale Kontakte, Religion/Spiritualität oder Weiterbildung). Andererseits sind dafür aber auch Arbeitsbedingungen von großer Relevanz. Selbstsorge spielt eine entscheidende Rolle für den Erhalt psychischer und physischer Gesundheit sowie für Lebenszufriedenheit.

Die Universität Wien möchte die Vereinbarkeit an den Schnittstellen Erwerbsarbeit – Sorgearbeit und Erwerbsarbeit – Selbstsorge erleichtern.

 

Grafik von Marion Wotruba: www.m-wotruba.at

Die Lebensbereiche Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und Selbstsorge finden nicht ein einem luftleeren Raum statt. Der gesellschaftliche als auch der wissenschaftliche Kontext beeinflussen, wie Vereinbarkeit an der Universität Wien gelebt wird und gelebt werden kann.

Erklärung

Gesellschaftskontext

Der Gesellschaftskontext prägt, wie Erwerbsarbeit, Sorgearbeit und Selbstsorge verteilt ist – zwischen Geschlechtern, aber auch entlang anderer Diversitätsdimensionen z.B. zwischen Menschen mit und ohne Migrationsbiografie. Wer übernimmt den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit? An wen wird die (schlecht) bezahlte Sorgearbeit ausgelagert, um selbst am Erwerbsleben teilhaben zu können? Wer kann sich Freiräume für Selbstsorge leisten, weil Erwerbs- und/oder Sorgearbeit nicht alles dominieren? Diese gesellschaftliche Verteilung ist historisch gewachsen und dabei auch von vielen Ungleichheiten durchzogen.

Wissenschaftskontext

Der Wissenschaftskontext ist ein Arbeitsfeld mit eigenen geschriebenen sowie ungeschriebenen Regeln, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Vereinbarkeit von Wissenschafter*innen haben. Forschung und Lehre werden weniger als „Job“, sondern vielmehr oft als „Berufung“ wahrgenommen. Wer für die Wissenschaft lebt, gibt dem Lebensbereich Erwerbsarbeit eine starke Gewichtung. Die besonderen Arbeitsbedingungen und -erfordernisse wie bspw. Mobilität bringen eingeschränkte Freiräume für Sorgearbeit und Selbstsorge mit sich. Obgleich viele Forscher*innen bereit sind, ihrem Beruf einen sehr hohen Stellenwert einzuräumen und das einen sehr hohen Wert vom Arbeitsplatz Wissenschaft darstellt, sollte dieser offener und inklusiver werden für Karrierewege, die auch Sorgearbeit und Selbstsorge ermöglichen.